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Auf immer und ewig soll er/sie mich lieben, wenigstens ein bisschen!


Zuerst wollte ich sie in Klammern setzen, da ich mir nicht ganz sicher war, ob es sich hierbei um einen rein weiblichen Wunsch handelt, aber dann erinnerte ich mich an diverse Gespräche mit männlichen Zeitgenossen, und stellte fest, dass es nicht nur mir, sondern auch vielen anderen Frauen und Männern so geht. Meine Ex-Freunde sollen mich alle in guter Erinnerung behalten oder zumindest noch so manches Mal in ihrem Leben positiv an mich denken. Woher das kommt? Alte Besitzansprüche vielleicht? Ich weiß es nicht! Aber es muss doch einen Grund dafür geben, warum man eigentlich doch ziemlich gerne noch auf den gleichen Parties erscheint, von denen man weiß, dass der Ex auch da sein wird?! Am besten noch mit seiner neuen Freundin, um die in Ruhe zu mustern und dann all ihre Mängel mit den Freundinnen in der Luft zu zerreißen. Ihr kennt so was nicht? Dann seid ihr wohl die besseren Menschen mit dem reineren Herzen. Ich jedenfalls weiß, dass es da auch noch weitere Menschen gibt, die wie ich ticken.


Da ich, zum Glück, noch nie in der Situation war, dass ich abserviert wurde, sondern immer gegangen war, kenne ich die Sicht nur aus dieser Position. Ich habe aber „Verlassene“ kennen gelernt, die da weitaus extremer waren. Hier wurden die neuen Freundinnen beschimpft oder zumindest mit einem schnippischen Spruch angegiftet, obwohl die Arme an der Trennung gar keine Schuld getragen hat. Diese peinlichen Auftritte sind aber trotz allem ziemlich durchgestylt im wahrsten Sinne des Wortes. Die Verlassene hat ihren Auftritt an diesem Tag voll durchgeplant, auch die Eskalation am Abend, nur wie man sich selbst zum Gespött macht, wird vergessen.


Die Haare sind frisch gestylt, hierfür hat man sich extra noch einen Termin beim Friseur gemacht, als wäre es der Tag seiner Hochzeit. Der Busen wird hochgeschnallt, die Speckrolle am Bauch unter einem absolut unerotischem Miederhöschen zerquetscht. Vielleicht ist gerade das der Grund der Eskalation, abgeschnürte Luft- und Blutzufuhr, der Körper gerät unter immensen Stress, weil er Angst hat gleich zu sterben und das Hirn schaltet nur noch auf Überleben statt Überlegen. Egal über diese „Schönmacher“ wird das geilste Kleid gezogen, was man im Schrank hat und nicht mehr verdeckt als diese hautfarbene Abtörn-Wäsche. Und nun Angriff! Mit gespielter guten Laune, zu überdreht, zu laut und gut sichtbar für den Ex, unterhält man sich mit seinen Freundinnen, zumindest die die das Theater mitspielen. Man pichelt noch ein, zwei, drei Gläser Sekt, der bringt den Miedergeschwächten Kreislauf noch mal richtig in Schwung. Heimlich wird herübergeblinzelt, ob der Ex auch wirklich alles mitbekommt. Waaaas? Es scheint ihn nicht zu interessieren, denn der sitzt da seelenruhig knutschend und Händchenhaltend in der Ecke? Dann geht es jetzt erst richtig los! Mutig, wie der Sekt einen gemacht hat, stolziert man rein zufällig an dem neuen Traumpaar vorbei. Und weil man gut erzogen ist und sich gegenseitig gesagt hat, man könne ja „Freunde“ bleiben, wird diese Freundschaft jetzt mal kurz gepflegt.


Hier unterscheidet sich die Verlassene nicht von der die verlassen hat. Man begrüßt den Ex mit Küsschen links und rechts und wartet bis der die neue und die alte Freundin miteinander bekannt macht. Über den komischen Blick der Neuen beim vorangegangen Begrüßungsküsschen freut man sich aber derweil schon mal. Wenn der Ex nicht erwähnt, dass man zuvor ein Paar war, sagt man das natürlich selber, um hier das Revier noch ein letztes Mal zu markieren. Danach hängt es eigentlich nur noch daran, wie viel Sekt man verträgt. Die eine dreht sich jetzt wieder um und tankt noch mal nach, aber die andere setzt sich frech dazu und beginnt über die guten alten Zeiten zu philosophieren. Was dem Ex sichtbar unangenehm ist und die Miene der Neuen immer mehr versteinern lässt, sollten seine Äußerungen zu den gemeinsamen Erinnerungen auch positiv sein. Je versteinerter die Miene der Neuen wird, umso mehr dreht man auf und platzt innerlich vor Schadenfreude. Schlechtes Gewissen? Nee! Schadenfreude ist schließlich die schönste Freude. Dann wird das Gespräch beendet, in dem man dem Ex erzählt, wie schön es war sich hier zufällig mal wieder getroffen zu haben und dass er sich ja mal melden könne – die Telefonnummer oder Email-Adresse hat er ja noch! Beng! Und nun fällt die versteinerte Kinnlade der Neuen ab und die Wut glänzt in ihren Augen, aber genau dieses „Strahlen“ in den Augen wollten wir sehen, während man sich auch von ihr höflich verabschiedet.


Das Schöne ist, man hat ihm jetzt nicht den Abend verdorben und er denkt in drei Tagen eventuell noch mal an einen. Männer sind ja angeblich etwas einfacher gestrickt, die sehen und hören nur das, was wirklich gemacht und gesagt wird, aber seine Neue…?! - Die wird in den nächsten Tagen erstmal seine Emails checken, das Handy nach SMS und ausgehenden Anrufen durchsuchen und am Ende des Monats natürlich auch die Telefonrechnung sicherheitshalber überprüfen. Dann erst ist das Ziel wirklich erreicht.


Was die andere durchlebt, die sich noch mal mit „Mut“ betankt hat, um sich nun auf ihren Ex zu stürzen und diesem eine Szene zu machen, so dass am Ende alle anderen Partygäste eine kostenlose Showeinlage haben, kann ich nicht nachvollziehen, denn für so was habe ich zuviel Selbstbeherrschung und Stolz. So eine Aktion zieht man sowieso nur zur Ego-Pflege durch. Und geduldig wartet man dann den nächsten Ego-Pflege-Termin ab, eine weitere Party oder auch die SMS oder Mail zum Geburtstag, aus der man eine „Unterhaltung“ provoziert, die seine Neue dann findet…


Das Waschweib


Fotos: © Fotolia.com

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